Wo der Ritter zu Fuß hingeht


Sowohl im Islam als auch im Judentum war die Einrichtung von Abortanlagen ganz bestimmten Vorschriften unterworfen. In der islamischen Einflußsphäre gab es überall gut angelegte Abortanlagen, besonders in der Nähe von Moscheen und Badehäusern.
In dem Grundriß des Klosters von St. Gallen aus dem Jahre 820 findet man 10 Aborte, mit jeweils 12 bis 18 Sitzen ausgestattet. Sie waren aus naheliegendem Grund in großer räumlicher Entfernung von den Wohnhäusern angelegt.
Verbreitet waren Abortanlagen auf den mittelalterlichen Burgen. Häufig war das Häusl in einem aus der Burg herausragenden Erker untergebracht. Die Fäkalien fielen durch ein Loch in den Burggraben oder den Abhang hinab, so daß sich hier eine spezielle üppige Vegetation entwickelte, die in manchen Anlagen noch heute zu bewundern ist.

Eine schöne Anlage aus dem 14. Jahrhundert findet man im Schloß Pierrefonds in Frankreich. Der Abort ist in einem halbkreisförmigen Anbau untergebracht. Eine gewölbte Grube, die von Zeit zu Zeit geleert werden mußte, nahm die Abfallstoffe auf. In der Abortzelle war auch ein Pissoir untergebracht mit einer direkten Ausmündung nach außen.
Großzügige Abortanlagen die sogenannten "Danziger" oder "Dansker" wurden auf deutschen Ordensburgen gefunden. Die Abortsitze befanden sich in hohen Türmen außerhalb der Burg, die durch Gänge mit ihr verbunden waren. Die Türme waren so konstruiert, daß die Exkremente entweder in den Burggraben oder in ein fließendes Gewässer fallen konnten.
Ihrer Zeit weit voraus war die Anlage mit Spülaborten in dem Castel del Monte, das um 1240 von Kaiser Friedrich dem II. in Apulien gebaut wurde. Auf den Schloßtürmen waren Regenwasserbehälter angelegt, die die Spülaborte versorgten.
Die Aborte in den Städten waren meistens primitiv, das Abwasser floß auf die Straße, da eine Kanalisation noch fehlte. Die Straßen waren nicht selten mit Unrat überhäuft, was natürlich die Verbreitung von Krankheiten förderte.
Das 1456 in Mailand erbaute Krankenhaus "Ospedale maggiore" war mit je einem Abort zwischen zwei Betten ausgestattet. Die Fäkalien gelangten in einen Schacht, der über Dach entlüftete !!
Kein geringerer als Leonardo da Vinci entwarf 1494 einen "geschlossenen Sitz". Der Abortraum sollte bei Nichtbenutzung durch eine Drehvorrichtung geschlossen werden.
Erst im 17. Jahrhundert war in Deutschland der tragbare Abort- oder Nachtstuhl sowie das Aborthäuschen über der Dunggrube anzutreffen.
Übrigens. Die ältesten Häusl mit Wasserspülung wurden wurden im Palast der Sumerer (3750 v. Chr.) in Mesopotamien (heute Iraak) gefunden. Bei uns begann die Entwicklung bis zu der heute gebräuchlichen Einrichtung 1738 durch den Franzosen J.F. Bondel.
Quelle: Feurich Bösch Sanitärtechnik 4. Auflage 1979

Badesitten im Mittelalter

Das Sauberkeitsverhalten der Menschen hat eine zeitbezogene unterschiedliche Entwicklung , besonders religiöse Einflüsse waren es, die auf das Badewesen entscheidend einwirkten. Die alten Kulturvölker hatten bereits 4 -3000 v. Chr. eine ausgeprägte Badekultur, wie die Funde von Überresten sorgfältig angelegter Bade- und Abortbereiche bezeugen.
Im mitteleuropäischen Raum wurden Waschungen am Laufbrunnen bevorzugt. Der Reinlichkeitstrieb der Urgermanen wird bereits von römischen Schriftstellern hervorgehoben.
Neue Impulse bekam das Badewesen Mitteleuropas durch den Einmarsch römischer Legionen in Deutschland, Frankreich und England. Es wurden Bäder in Trier, Baden-Baden, Badenweiler usw. angelegt, deren Überreste z.T. heute erhalten sind. Nach dem Verfall des römischen Reiches verwahrlosten die Badesitten, die Bäder wurden nicht mehr gepflegt.
Durch die Bestrebungen der christlichen Kirche, das Bad als Gesundungsmittel für die Bevölkerung zu erhalten, wurden auch in dieser Zeit Bäder, jedoch einfacherer Art gebaut. Ein Beispiel sind die Badeanlagen des Klosters St. Gallen aus dem Jahre 820, bestehend aus einem Wannen- und einem Schwitzbad.
Die Enthaltung vom Bade konnte als Kirchenstrafe verhängt werden , so verbot z. B. Erzbischof Adalbert von Bremen Kaiser Heinrich IV (1076) das Baden, weil er vom Papst gebannt war. Auch in der Karwoche und an Fastentagen galt das Baden als frevelhaft.
Mit den heimkehrenden Kreuzrittern kamen viele Bräuche aus Südeuropa und dem vorderen Orient nach Mitteleuropa. (Kreuzzüge von 1096 bis 1270). Die Kreuzritter führten, jedoch in vereinfachter Form , Badestuben in ihren Burgen ein.
Gemeingermanisch wird für die gründliche Körperreinigung das Wort "bad" gebraucht. In den Haushalten befanden sich Rundgefäße aus ausgehöhlten Baumstämmen, später aus Dauben und Reifen für Ganzbäder. Überliefert ist, daß um 1200 Badewannen je nach Stellung des Besitzer aus mehr oder weniger edlen Materialien gefertigt wurden.
Über Rohre im frühen Mittelalter existieren nur wenige Angaben, zumeist dürften Holzrohre verwendet worden sein. Die Würzburger Festung Marienberg wurde mit einer Bleirohrleitung versorgt. Die älteste Gußleitung ist die etwa von 1455 stammende Wasserleitung des Schlosses Dillenburg an der Lahn.
Baden artete im Mittelalter dann schließlich zu einer Art Volksbelustigung aus, bei welcher man aß, trank und sich auf allerlei Art vergnügte. Die Badestube war häufig Kindern und Erwachsenen beiderlei Geschlechts zu gleicher Zeit zugänglich. Man badete in hölzenern Zubern, in denen mehrere Personen Platz fanden, wie man es von vielen zeitgenössischen Darstellungen her kennt.
Mit der Entdeckung der Neuen Welt durch Columbus kam im 16. Jh. eine Syphillis-Epedemie nach Europa. Badehäuser waren für Krankheiten ein exzellenter Übertragungsort. Wegen dieser Gefahr kam das Badewesen um 1600 fast völlig zum Erliegen.
In der oberen Gesellschaftsschicht wurden jetzt nur mehr Puder und Schminke statt Wasser und Seife angewandt...
Quelle: Feurich Bösch Sanitärtechnik 4. Auflage 1979

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